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04. Juli 2014

Houten/Essen – Der Verband der Niederländischen Geflügelschlachtereien und Geflügelverarbeitungsbetriebe, NEPLUVI, führt die Pressestelle der niederländischen Geflügelwirtschaft in Deutschland fort: Zuvor wurde die Absatzförderungsaktivität von der Wirtschaftsgruppe Geflügel und Eier (PPE) in Zoetermeer verantwortet, die aufgrund einer politischen Entscheidung der niederländischen Regierung einen Teil ihrer Arbeit offiziell zum
1. Januar dieses Jahres beendet hatte. Damit bleibt die Vertretung des Sektors im Nachbarland in gewohnter Form bestehen. So informiert das in Essen ansässige deutsche Büro der Pressestelle weiterhin über aktuelle und wichtige Entwicklungen aus dem niederländischen Geflügelsektor. Hier finden deutsche Presse und Fachzielgruppen sowie Entscheider aus dem Lebensmitteleinzelhandel zudem einen kompetenten Ansprechpartner für Fragen und Handelskontakte.

NEPLUVI stärkte seine Position mit der Fortsetzung neuer wichtiger Aufgaben, die zuvor durch die Wirtschaftsgruppe Geflügel und Eier gelöst wurden. Dazu gehören die Führung und Koordination nationaler und internationaler Absatzförderungsaktivitäten, wozu auch die Pressestelle der niederländischen Geflügelwirtschaft in Deutschland gehört. Darüber hinaus betrifft es aber auch die Fortsetzung des Benchmarkings bei der Antibiotika-Reduzierung und des Campylobacter-Programms.

 

Neu-Organisation des niederländischen Geflügelsektors vollzogen

Die niederländische Geflügelfleischwirtschaft hatte sich frühzeitig der neuen Herausforderung gestellt und ihre Kräfte gebündelt: „Nachdem der Beschluss zur Abschaffung der Wirtschaftsgruppen im Jahr 2012 gefallen war, haben wir gemeinsam mit den wichtigen Stakeholdern des Sektors alternative Lösungen erarbeitet. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit den neuen Organisationsstrukturen ein zukunftsfähiges Fundament geschaffen haben“, erklärt Ir. Jan Odink, Vorsitzender NEPLUVI.

So übernahm eine neue Stiftung, die Stichting PLUIMNED, das private nationale Qualitätssicherungs-System IKB-KIP (Integrierte Kettenüberwachung), das Qualität und Rückverfolgbarkeit über alle Stufen der Kette gewährleistet. Die Stiftung OVONED ist das entsprechende neue Pendant für die Eierwirtschaft. AVINED ist als dritte neue Stiftung für übergreifende Aufgaben im Geflügel- und Eiersektor der Geflügelwirtschaft des Landes zuständig und verwaltet zudem die IKB-Datenbanken (IKB-KIP, Registrierung und Identifikation). Die Gründungsmitglieder der drei in Houten ansässigen Nachfolge-Organisationen sind neben NEPLUVI die Bauernverbände LTO-NOP, NVP und die Vereinigung des Niederländischen Eierhandels, ANEVEI. Die Mitgliederstruktur der neuen Stiftungen ist dabei so arrangiert, dass Arbeitgebervertreter der gesamten Wertschöpfungskette darin tätig sind. Das niederländische Wirtschaftsministerium hat die gesetzgeberischen Aufgaben übernommen, die zuvor im PPE-Vorstand erarbeitet wurden.

Wie beurteilen Sie die Neu-Organisation des niederländischen Geflügelsektors?
Odink: Mit der Gründung der drei Stiftungen AVINED, PLUIMNED und OVONED hat der Geflügelsektor eine starke und effiziente neue Struktur geschaffen. Auf dieser Basis können eine Reihe wichtiger Aufgaben fortgesetzt werden, die zuvor die Wirtschaftsgruppe Geflügel und Eier (PPE) verantwortet hat.

Dabei geht es vor allem um die ehemaligen privatwirtschaftlichen Tätigkeiten von PPE. So wird PLUIMNED verantwortlich sein für die Fortführung des nationalen Qualitätssicherungs-System, Integrierte Kettenüberwachung (IKB-KIP).

Dass  sich diese neue Organisation so schnell geformt hat, zeigt, wie stark unsere Zusammenarbeit in den Niederlanden ist. Das ist eine sehr wichtige Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Geflügelfleischproduktion.

Wo liegen die größten Herausforderungen dieser Neustrukturierung, was ist weniger kritisch?
Odink: Ein Teil des PPE-Regelwerks ist von der Regierung in hoheitliche Vorschriften umgesetzt worden. Beispiele dafür sind die Salmonellenbekämpfung und die Antibiotika-Reduzierung. Wir finden es wichtig, dass gerade diese Regelungen nicht nur streng kontrolliert, sondern wenn nötig, Verstöße auch sanktioniert werden. Über AVINED steht der niederländische Geflügelfleischsektor in direkter Verbindung mit der Regierung und kann so nachvollziehen, ob die Vorgaben im Sinne der Branche eingehalten werden.

Andere Aufgaben von PPE, die keinen hoheitlichen Charakter hatten, sind durch Branchenorganisationen übernommen worden: Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass NEPLUVI, der Verband der Niederländischen Geflügelschlachtereien und Geflügelverarbeitungsbetriebe, zukünftig der neue verantwortliche Ansprechpartner für die deutschen Partner ist.

Welchen Anforderungen sieht sich die niederländische Geflügelwirtschaft insgesamt gegenüber?
Odink: Der niederländische Sektor hat sich in den letzten Jahren auf vielen Gebieten enorm entwickelt. Das betrifft das ganze Spektrum von der Förderung des Tierwohlseins und der Lebensmittelsicherheit bis zum Umweltschutz und so weiter. Der Sektor arbeitet kontinuierlich an weiteren Verbesserungen. Der Antibiotika-Gebrauch zum Beispiel ist seit 2009 mehr als halbiert. Das ist gut, aber kein Grund, bereits zufrieden zu sein. Wir arbeiten im Gegenteil unablässig daran, den Einsatz von Antibiotika noch weiter zu reduzieren.

Ein Problem, mit dem der niederländische Sektor zurzeit umgehen muss, ist die Kommunikation in der Öffentlichkeit: So ist es in den letzten Jahren noch nicht gelungen, die Konsumenten ausreichend und überzeugend über die Fortschritte und Errungenschaften der Branche zu informieren. Daher steht der Verbraucher dem Sektor sehr kritisch gegenüber. Negative und suggestive Aktivitäten verschiedener NGOs förden dies zusätzlich. Unser Ziel ist es, dieses Bild durch Transparenz und Klarheit über das, was wir tun, umzukehren.

Welche Rolle kann NEPLUVI nun spielen und wohin geht hier die Entwicklung?
Odink: Wir werden aktiv kommunizieren und über die Entwicklungen und Erfolge aus dem Geflügelfleischsektor berichten. Zudem möchten wir zeigen, dass die Branche eine große Bandbreite an Produkten anbietet: Die Vielseitigkeit reicht vom konventionellen Hähnchen, über „Scharrel-Hähnchen“ bis hin zum Bio-Hähnchen – und noch einigen Zwischen-Segmenten. Weiter möchten wir den Konsumenten auch über zukünftige Entwicklungen im Sektor auf dem Laufenden halten.

Welche Trends beherrschen das Geschäft mit Geflügel? Wodurch kann sich die niederländische Geflügelwirtschaft mit ihren Produkten und Konzepten in Deutschland profilieren?
Odink:
Für die niederländische Geflügelwirtschaft haben Lebensmittelsicherheit und Qualität absolute Priorität. Dies muss die neue Sektororganisation zukünftig gewährleisten. IKB-KIP bleibt führend und wird auch weiterhin über die gesetzlich verankerten Vorschriften hinausgehen. Die Niederlande sind auf diesem Gebiet sehr gut und bieten gleichzeitig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ist global anerkannt und erklärt, warum der Sektor seine Produkte weltweit erfolgreich absetzt.

Welchen Stellenwert hat das Deutschland-Geschäft für die niederländische Geflügelwirtschaft?
Odink: Deutschland ist ein Markt, auf dem Qualität wertgeschätzt wird. Die niederländische Geflügelwirtschaft ist im Stande, diesen Anspruch – aber auch andere spezielle Kundenwünsche – zu bedienen. Deutschland ist und bleibt ein sehr wichtiger Absatzmarkt für niederländisches Geflügel und Geflügelprodukte.

Welche neuen Produkte oder Konzepte bieten Sie an und welche Innovationen sind in Entwicklung?
Odink: Es gibt zahlreiche Produktentwicklungen und neue Konzepte. Neben den nun bereits etablierten Konzepten wie „Scharrel-Hähnchen“ oder Bio gibt es viele Zwischen-Segmente wie zum Beispiel langsam wachsende Rassen.

Welche Rolle spielt das Tierwohlsein-Programm und wie schätzen Sie die Kompatibilität mit der deutschen Initiative Tierwohl ein? Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Zusammenarbeit beider Länder ein?
Odink: Die grundlegenden Vorschriften des niederländischen Nachhaltigkeitsprogramms für Tierwohlsein sind sehr strikt: Über die europäische Gesetzgebung hinaus ist zudem mit unserer Regierung abgestimmt, dass die niederländischen Geflügelhalter transparent halten müssen, wieviele Hähnchen an einer Erkrankung der Fußballen leiden. Ab einer bestimmten Grenze müssen betroffene Betriebe die Besatzdichte senken. Diese Maßnahme gilt vor allem für die Unternehmen, die systematisch keine guten Werte haben.

Was die Kompatibilität der beiden Nachhaltigkeitsprogramme in Deutschland und in den Niederlanden angeht, ist die Ausgangssituation schon ganz gut. Doch der niederländische Sektor hat eine Vielzahl von Konzepten für mehr Tierwohlsein umgesetzt, die alle etwas dazu beitragen. Ein Beispiel ist das „Kip van morgen“ (Das Hähnchen von morgen), das gemeinsam mit dem niederländischen Lebensmitteleinzelhandel entwickelt wurde. Dieses Hähnchen ist eine langsam wachsende Rasse, hat mehr Platz und bleibt länger auf dem Hof.

Die Niederlande und Deutschland haben viele gemeinsame Interessen in Europa. Wir sollten in Brüssel unsere Positionen gemeinsam vertreten. Da wir eine freie Marktwirtschaft haben, sollten wir in ganz Europa strenge Anforderungen gewährleisten. Daher begrüßen wir sehr, dass sich Frau Merkel kürzlich klar gegen die Einfuhr des sogenannten „Chlor-Hähnchens“ aus den USA aussprach.

Die Zahl der Vegetarier und Flexitarier wächst. Spürt die Geflügelfleischbranche eine Zurückhaltung im Geschäft mit Geflügelfleisch bei den Einkäufern?

Odink: Der Trend ist bekannt und wir sehen das auch in den Niederlanden. Nichtsdestotrotz haben wir hierzulande wieder ein Rekordvolumen Geflügelfleisch umgesetzt. Daraus können wir schließen, das Geflügelfleisch an Beliebtheit zunimmt.

Wir lassen uns nicht  irritieren: Es gibt sehr viele gute Gründe, Hähnchen zu essen und sich bewusst für Hähnchen zu entscheiden. Hähnchen hat zum Beispiel im Vergleich  zu anderen Fleischarten die beste CO2-Bilanz. Es übertrifft in dieser Beziehung sogar einige eiweißbasierte Fleischersatzprodukte.

Aber natürlich gibt es noch viele andere gute Eigenschaften, die für den Verzehr von Hähnchen sprechen: Es ist mager, vielseitig, einfach zuzubereiten und natürlich: lecker!

Was erwarten Sie für Entwicklungen in den nächsten zwei Jahren, die das Geschäft mit Geflügelprodukten betreffen und wie sind Sie für die Zukunft gerüstet?
Odink: Wir erwarten, dass sich der Trend weiter fortsetzt und Hähnchen immer populärer wird. Zudem wird es weitere nachhaltige Konzepte auch im grenzüberschreitenden Handel mit Deutschland geben. Hier sind wir kraft unserer Expertise ein guter und offener Partner.