In der niederländischen Geflügelwirtschaft treten demnächst strengere Auflagen für die Haltung von Masthähnchen-Elterntiere in Kraft. Ab November dieses Jahres muss jedem Tier, das nach dem ersten Juni 2008 geboren wurde und damit ein Alter von 22 Wochen erreicht hat, eine Stallfläche von mindestens 1.300 cm2 zur Verfügung gestellt werden. Für Betriebe, die Elterntiere in Käfigen halten, gelten nach einer Übergangsfrist zusätzliche Vorschriften. So hat die Höhe der Käfige mindestens 70 cm zu betragen. Die Bodenfläche je Tier ist bei diesem Haltungssystem ebenfalls auf 1.300 cm2 festgelegt, wovon 300 cm2 mit Einstreu zu versehen sind. Mit diesen neuen Regelungen stellen die Niederlande einmal mehr ihre Vorreiterrolle in Sachen Tierwohlsein unter Beweis, denn kein anderes europäisches Land hat Haltungsvorschriften für Masthähnchen-Elterntiere.
Tierwohlsein wird in der niederländischen Geflügelwirtschaft groß geschrieben. So hat die Branche im vergangenen Jahr das sogenannte „Volwaard-Hähnchen“ in die Kühltruhen des Handels gebracht. Die Produkte stammen aus einer schonenden Produktion, in der die Tiere bei einer geringeren Besatzdichte langsamer wachsen und zudem überdachte Freilaufmöglichkeiten haben. Das Konzept wurde von der renommierten niederländischen Tierschutzorganisation „Dierenbescherming" im Rahmen ihres „Besser Leben-Gütesiegels“ mit einem Stern ausgezeichnet. Das Siegel wird ausschließlich für Erzeugnisse vergeben, bei deren Produktion das Tierwohlsein im Mittelpunkt steht. Am 5. November erhielt Herman Kemper für seine besonders schonende Masthähnchen-Produktion als erster gleich zwei Auszeichnungen. Für die „Maisscharrel-Hähnchen“ erhielt er das Gütesiegel mit zwei Sternen, für die „Landhoen-Hähnchen“ wurden drei Sterne vergeben. Im niederländischen Lebensmitteleinzelhandel tragen bereits verschiedene Produkte das Siegel. Und die Verbraucher nehmen diese Einkaufshilfe auch an, wie eine Umfrage (Blauw Research) zeigt. Rund die Hälfte der befragten Konsumenten äußert sich danach positiv über diese Auslobung. Bei Verbrauchern, die beim Einkauf auf Informationen in Sachen Tierwohlsein achten, sind es sogar mehr als 70 Prozent.
Die EN 45011-Zertifizierung bedeutet eine klarere Struktur innerhalb des IKB-Regelwerkes sowie die Aufnahme von erklärenden Passagen, was die Befolgung und auch die Kontrolle der Vorschriften erleichtert. Die Kontrolleure selbst sind gehalten, während der Betriebsprüfungen die Dokumentation mit erklärenden Bemerkungen transparent und verständlich zu gestalten. Dies versetzt die zertifizierende Instanz in die Lage, die Situation vor Ort besser beurteilen zu können. Diese und weitere Vorschriften greifen ab dem 1. Oktober. Alle IKB-Teilnehmer werden in den folgenden Wochen dazu informiert. Betriebe können das neue Schild für den Hof bei ihrem Kontrollinstitut bestellen.
Anlässlich der am 9. Juli erfolgten EN 45011-Zertifizierung der niederländischen Geflügelwirtschaft hat der Akkreditierungsrat letzte Woche die Urkunde im Rahmen eines festlichen Empfangs an den Vorsitzenden der Wirtschaftsgruppe Geflügel und Eier (PPE), Jos Ramekers, überreicht. Das erste Wandschild mit neuem IKB-Logo und Zertifizierungs-Schriftzug wurde durch Ben Dellaert, Sekretär PPE, an Geflügelhalter Verijdt aus Afferden übergeben. Der Betrieb ist seit dem Gründungsjahr von IKB in 1992 Teilnehmer des nationalen Qualitätssicherungs-Systems Integrierte Kettenüberwachung. Die Anpassung des IKB-Systems an die europäischen Normen für Qualitätssicherungs-Systeme ist für die niederländische Geflügelwirtschaft ein wichtiger Schritt zu mehr Wettbewerbsfähigkeit in Europa und vor allem auf dem deutschen und englischen Markt. Auch sind dadurch die Voraussetzungen für eine weitere Angleichung an die internationalen Qualitätssicherungs-Systeme wie das deutsche QS oder das englische ACP geschaffen. Mit der Einführung der Neuauflage des IKB-Systems im April 2007 hatte sich die niederländische Geflügelbranche innerhalb eines Jahres auf die Anforderungen der Zertifizierung eingestellt.
Experten ziehen an einem Strang
Sind Qualitätssicherungs-Systeme ein Weg zur Produktpositionierung?
Dieser Frage gingen Fachleute aus den Bereichen Qualitätssicherung, Vermarktung und Lebensmitteleinzelhandel im Rahmen des vom Informationsbüro der niederländischen Geflügelwirtschaft initiierten vierten Round-Table-Gesprächs in Folge auf den Grund.
Aktuelles zum Geflügelfleischmarkt
Frische steht bei den deutschen Konsumenten hoch im Kurs. Das belegen die aktuellen Absatzzahlen eindrucksvoll.